Hypnose - Mythos und Realität
Hypnose ist ein uraltes Thema. Sie ist in der
Menschheitsgeschichte schon lange bekannt, wurde vor
tausenden von Jahren bereits gewinnbringend zur Heilung
von Krankheiten eingesetzt und als Begriff jedem Kind
bereits geläufig. Der Begriff hat auch längst Einzug in die
Alltagssprache gehalten - man spricht von hypnotischer
Musik, hypnotischen Gemälden oder Stimmungen.
Dennoch weiss der Durchschnittsbürger kaum etwas
genaues über Hypnose. Meistens beschränkt sich der
bisherige Kontakt mit Hypnose auf Fernsehberichte oder
Shows, z. B. in Discotheken. Dort sieht man dann
scheinbar willenlose Versuchspersonen, die plötzlich die
verrücktesten Dinge anstellen, sich lächerlich machen und
sich hinterher an nichts erinnern. Andere Fernsehberichte
gibt es natürlich auch, aber sie sind weniger zur
Massenunterhaltung geeignet und verschwinden irgenwo
im Nachtprogramm.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass so viel Uninformiertheit über Hpnose und ihre Möglichkeiten
besteht. Die häufigste Meinung zur Hypnose ist dann auch: “Interessant, aber bei mir würde so etwas
(hoffentlich) niemals funktionieren”.
Die folgenden Seiten sollen etwas zur Aufklärung über Hypnose beitragen.
Was ist Hypnose?
Hypnose ist eine besondere Form der Kommunikation. Diese dient dazu, einen Hypnotisanden in einen
besonderen Geisteszustand zu führen. Diesen Zustand bezeichnet man in der hypnotischen
Fachsprache als Trance.
Trance = Geisteszustand wie Bewusstsein, Schlaf oder Traum.
Hypnose = Besondere Methodik, um bei einer Person Trance zu erzeugen, zu vertiefen, zu nutzen und
aufzulösen. Die Person kann diese Methoden auch benutzen, um bei sich selbst eine Trance
auszulösen: dies ist dann Selbsthypnose. Der Begriff Hypnose wird jedoch häufig auch ganz generell
benutzt, wenn es um die Beschreibung von Trancephänomenen geht.
Aspekte der Hypnose / der Trance
Neurophysiologische Aspekte - Ist Hypnose Schlaf?
Prinizipiell ist Hypnose nicht als Schlaf zu verstehen. Hypnose bzw. Trance kann jedoch verschiedene
Ausprägungen annehmen. Schlaf, Traum und Hypnose ergänzen sich und schließen sich gegenseitig
nicht aus. Je nach Situation und Ausgangslage des Zentralen Nervensystems des Probanden können sie
miteinander gekoppelt werden. Hypnose kann in Schlaf übergehen, es können sich traumhafte
Erlebnisse in Hypnose zeigen - aber trotzdem ist der Hypnotisierte niemals “weg”, kann nicht mehr aus
der Hypnose heraustreten oder ähnliches (dies sind Schauermärchen der Boulevardpresse oder “Tricks”
aus der Showhypnose - dazu weiter unten mehr).
Entgegen früheren Meinungen, bei Hypnose handele es sich um einen “Teilschlaf”, haben Forschungen
ergeben, dass sich im EEG verstärkte Schlafmuster nur zeigen, wenn ein Schlaf suggeriert und
ausgeführt wird. Generel ist Hypnose also kein Schlaf, aber auch kein normaler Wachzustand. Dies
bestätigen auch EEG- Untersuchungen: in Hypnose zeigt sich ein typisches EEG- Bild, das jedoch nicht
identisch mit dem Schlaf- oder Wach- EEG ist.
Psychomotorische Aspekte - Von schwebenden Armen und Bewegungslosigkeit
Es gibt verschiedene ideomotorische Phänomene, die in Hypnose auftreten können. Je nach Intention
des Hypnotiseurs und des Probanden können diese dann genutzt werden (z. B. therapeutische Intention
oder Showintention). Generell gilt, dass die Phänomene umso stärker auftreten, je mehr der Proband
sich auf die Hypnose einlassen kann (Suggestibilität).
Relaxation = Entspannung: Der Zustand in Hypnose ist sehr gesund und beruhigend. Bei der
Entspannung in Hypnose handelt es sich jedoch nicht um die gleiche Entspannung wie im Alltag. Zwar
entspannen sich auch hier die Muskeln, in der Hypnose wird dies jedoch noch von einer
psychovegetativen Entspannung begleitet (das Nervensystem entspannt sich), wie sie sich auch im
Schlaf findet.
Ideomotorik: Hier sind einzelne Gliedmaßen oder Körperteile der bewussten Steuerung weitgehend
entzogen und bewegen sich von selbst (z.B. die Finger).
Katalepsie: Das markanteste Phänomen der Hypnose. Mehr oder weniger tritt sie bei jeder Hypnose auf.
Sie ist unwillkürlich und der bewussten Steuerung weitgehend entzogen, so dass bei einer
entsprechenden Suggestion die Bewegungslosigkeit bis hin zu absoluter Steifheit und Starrheit verstärkt
werden kann. Der Proband kann ausserstande sein, den Arm z.B. zu bewegen oder zu beugen. Auch
Außenstehenden gelingt dies oft kaum. Obwohl dieses Phänomen für therapeutische Zwecke absolut
unbrauchbar ist, so ist es dennoch interessant und wird gerne bei Showhypnosen verwendet. Eine
wissenschaftliche Erklärung dazu gibt es bisher nicht.
Somnambulismus: Der Begriff beedeutet wörtlich schlafwandeln und bezeichnet im hypnotischen Kontext
oft die Tatsache, dass ein Proband zu schlafen scheint und dennoch z. B. Bewegungen ausführen kann
(ähnlich wie beim “normalen” Schlafwandeln). Der Marquis de Puysegur entdeckte 1784 den
hypnotischen Somnabulismus.
Psychologische Aspekte der Hypnose - Freier Wille, Gedächtnis und andere Phänomene
Rapport: Bezeichnet ganz allgemein den Kontakt und die Beziehung zwischen Hypnotisuer und
hypnotisierter Person. Je besser der Rapport, dest eher können z. B. hypnotische Suggestionen wirken.
Somit ist der Rapport einer der wichtigsten Aspekte einer Hypnose und auch einer Hypnothertapie. Es
gibt aber teils drastische Unterschiede, wie Rapport aufgebaut wird, bzw. worauf er sich gründet: bei der
Showhypnose besteht er manchmal wegen des sozialen Drucks der Situation, der Angst bei Nicht-
Funktionieren lächerlich gemacht zu werden oder aus Bewunderung vor dem Hypnotiseur. In einer
Hypnotherapie sollte der Rapport sich jedoch auf Vertrauen, Akzeptanz und Wertschätzung gründen.
Hypnose und freier Wille: Jede Hypnose gründet sich letztlich auf der Zustimmung des Unbewussten
des Hypnotisanden. Liegt diese Zustimmung nicht vor, kann die Hypnose nicht gelingen. Die
Zustimmung des Unbewussten wird durch den Rapport eingeholt: also entweder durch Vertrauen (bei
einer Therapie der Fall) oder auf anderem Wege (z. B. bei schlechten Showhypnosen). Deshalb kann
auch jede geistig gesunde Person eine Hypnotherapie machen (nämlich solange sie dem Therapeuten
vertraut), aber nicht bei jeder Person gelingen showhypnotische “Kunststückchen”.
Das Unbewusste der Person entscheidet auch über die Dauer und Tiefe der Hypnose: niemals ist eine
Person in Hypnose komplett willenlos, nicht mehr Herr über sich oder kann z. B. Verbrechen in Hypnose
begehen (ein besonders beliebtes “Märchen”). Dieses Wissen ist z. B. in der Rechtssprechung schon
lange angekommen: die “Ausrede”, ein Verbrechen sei in Hypnose begangen worden, wird juristisch
nicht anerkannt.
Spontanhypnose und Trance: Dass ein Mensch spontan selbst in Hypnose geht, ist ein zutieftst normaler
Vorgang und geschieht häufig mehrere Male am Tag. Beispiele für Alttagstrance sind:
-
Sie fahren im Auto ihre tägliche Arbeitsstrecke. Obwohl Sie bewusst an etwas anderes gedacht
haben, so haben Sie unbewusst dennoch viele Male den Blinker gesetzt, Lenkkorrekturen
vorgenommen und haben unzählige andere Autos gesehen. Bewusst können Sie sich aber an
keine dieser Aktionen erinnern.
-
Sie lesen ein spanndendes Buch oder sehen einen Film. Ihr Parter läuft mehrere Male durchs
Zimmer, ohne dass Sie es bemerken (obwohl sie ihn eigentlich gesehen und gehört haben). Evtl.
sprechen Sie sogar mit ihm, ohne dass Sie hinterher wisen, was Sie gesagt haben.
Solche Vorgänge sind natürlich und alltäglich und geschehen spontan und ohne bewusste Absicht. In
Hypnose können solche Dinge durch den Hypnotiseur absichtlich herbeigeführt werden.
Hypnose und Gedächtnis: Durch entsprechende Suggestionen kann die Gehirnleistung (z. B. erinnern
und lernen) gesteigert werden (Hypermnesie). Auch das Vergessen ist ein typisch hypnotisches
Phänomen (Amnesie). Sie tritt häufig spontan auf, der Proband kann sich dann nicht an die komplette
Hypnose erinnern (auch ohne entsprechende Suggestion durch den Hypnotiseur). Auch eine verzerrte
Zeitwahrnehmung ist typisch: die Hypnose wird z. B. als kürzer erlebt, als sie eigentlich war.
Hypnose und Altersregression (Reise in die Kindheit): Wie aus der Psychotherapie bekannt, treten
regressive Tendenzen bei Menschen häufig auf. Zum einen werden sie bewusst und lustvoll
herbeigeführt, zum anderen werden sie aus neurotischen Motiven entwickelt oder therapeutisch
suggeriert. In Trance kann man diese Tendenzen und Möglichkeiten durch entsprechende Suggestionen
und Techniken leicht nutzen. Manchmal wird auch eine Altersprogression durchgeführt (Reise in ein
höheres Alter). Berichte über Regressionen in den Mutterleib oder gar “Rückführungen” in frühere Leben
sind mit Vorsicht zu genießen, da sie wissenschaftlich nicht haltbar sind.
Was ist Showhypnose?
Illusionisten, Mentalisten oder Zauberkünstler verwenden gelegentlich auch Hypnose, es gibt aber auch
“reine” Showhypnotiseure. Wenn man sich solche Vorstellungen ansieht, muss man sich über die Absicht
im klaren sein, die hier verfolgt wird: das ganze soll eine Form der Unterhaltung sein. Absicht eines
Showhypnotiseurs ist es nicht, eine Störung zu heilen oder seine Zuschauer wissenschaftlich über
Hypnose zu informieren. Im Gegenteil, wie ein Zauberkünstler verschleiert der Showhypnotiseur die
wahren Vorgänge während der Vorführung und verrät sicherlich niemals seine Tricks. Es ist geradezu die
Aufgabe eines solchen Unterhalters, seine Zuschauer zu täuschen, zu verblüffen und einen (falschen)
Schein zu erwecken. Und somit erwecken Showhypnotiseure eben gerne den Eindruck, sie selbst seien
diejenigen, welche die Hypnose steuern, sie könnten alles mit ihren Probanden anstellen oder sie
könnten ihre Vorführung mit jedem X-beliebigen Zuschauer vollziehen.
Tatsächlich entscheidet auch hier immer nur das Unbewusste der Hypnotisanden darüber, inwieweit eine
Hypnose gelingt. Der Showhypnotiseur weiss dies, kann dies aber vor seinem Publikum wirksam
verschleiern. Durch Suggestionstests und eine gute Menschenkenntnis gelingt es ihm, besonders
suggestible Menschen aus dem Publikum zu erkennen und demonstriert ausschließlich an ihnen die
Hypnose. Eine gute Hypnoseshow ist somit tatsächlich immer eine Mischung aus “echten” hypnotischen
Phänomenen, Gruppendynamik und “normalen” Zaubertricks. Der gute Showhypnotiseur schnürt dies zu
einem Gesamtpaket, dessen einzelne Bestandteile für den ungeübten Zuschauer nicht mehr zu
erkennen sind.
Was ist Hypnotherapie?
Hypnotherapie ist eine Form der Psychotherapie, in der man vor allem die Phänomene der Trance nutzt.
Eine Hypnotherapie kommt aufgrund eines Vertrages zwischen Therapeut und Klient zustande. Diese
beiden Partner sind in der Therapie gleichberechtigt und arbeiten gemeinsam an der Lösung der
Problemlage des Klienten. Der Rapport in der Hypnotherapie baut sich auf dem Vertauen des Klienten zu
seinem Therapeuten auf. Der Therapeut bemüht sich stets, dieses Vertaruen zu rechtfertigen und zu
erweitern, indem er den Klienten wertschätzt, echt in seiner Beziehung zu ihm ist und sich in die
Emotionen und die Lage des Klienten hineinversetzt.
Es gibt mehrere Arten der Hypnotherapie (siehe dazu auch unter der Rubrik “Psychotherapie -
Hypnotherapie):
1.
Die klassische Hypnose
Bei dieser Form der Hypnotherapie setzt der Therapeut vor allem auf direkte Suggestionen, die
im Unbewussten des Klienten wirken und somit eine Veränderung bewirken sollen (Bsp.: “Sie
haben kein Bedürfnis mehr zu rauchen.”) Manchmal kann der Klient sich an die Suggestionen
auch nicht erinnern (posthypnotische Amnesie) und sie sind trotzdem wirksam. Nachteil dieser
Methode: Wenn dem Ziel unbewusste Widerstände entgegenstehen, kommt es zu einem “Kampf”
dieser unbewussten Widerstände gegen die Heilsuggestion des Therapeuten. Diesen Kampf
gewinnt immer das Unbewusste des Patienten. Neuere Methoden verzichten deshalb zumeist auf
direkte Suggestionen und versuchen eher, die Selbstheilungstendenzen der Klienten zu
aktivieren.
2.
Hypnose nach Milton Erickson
Bei dieser Methode der Hypnotherapie wird vor allem der Weisheit des Unbewussten des
Patienten vertraut. Sie besteht im Wesentlichen darin, dass der Therapeut dem Unbewussten
des Klienten Heilungsvorschläge macht, das Unbewusste selbst entscheidet darüber, welche
Suggestion angenommen wird. Hierbei läuft sehr viel über das Unbewusste ab, manchmal wird
gar nicht explizit hypnotisiert. Der ericksonianische Hypnotherapeut kann mit dem Klienten
oberflächlich über etwas ganz anderes reden und dabei dem Unbewussten
Heilungssuggestionen geben. Der Patient erfährt auch hierdurch Heilung, würde in diesem Fall
jedoch Stein und Bein schwören, noch niemals hypnotisiert worden zu sein. Nachteil dieser
Methode: das bewusste ICH des Patienten wird aus dem Heilungsprozess nahezu
ausgeschlossen. Dies kann bewusste Widerstände gegen die Heilung hervorrufen.
3.
Selbstorganisatorische Hypnotherapie
Wie der ericksonianische Therapeut leitet der selbstorganisatorisch vorgehende Hypnotherapeut
einen kreativen Problemlösungsprozess ein und vertraut dabei auf die Kompetenz des
Unbewussten. Dabei respektiert er aber auch das ICH des Klienten und baut auf dessen
Mitarbeit im Lösungsprozess.
Denn wenn das ICH nicht in die Lösung einbezogen und mit in die Verantwortung genommen
wird, besteht die große Gefahr, dass es Lösungen sabotieren wird.
Der selbstorganisatorische Therapeut weiss, dass ein Vorgehen, bei dem der Therapeut statt zu
kooperieren, mit dem ICH des Klienten kämpft und dieses austrickst, nur suboptimale
Ergebnisse erzielen wird.
-
Deshalb werden das Unbewusste und das ICH (bewusstes Denken) des Klienten als
Subsysteme des Selbst nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in Kooperation
gebracht.
-
Selbstorganisatorische Hypnotherapeuten kooperieren deshalb nicht nur mir dem
Unbewussten, sondern auch mit dem bewussten ICH des Klienten.
-
Darüber hinaus streben sie auch Kooperation zwischen dem Bewussten und dem
Unbewussten des Klienten an. Somit stehen dem Klienten nach der Therapie sein
Bewusstes und sein Unbewusstes als Ressource voll zur Verfügung und er kann sich mit
all diesen Ressourcen an die Verwirklichung seiner Ziele machen.
Deshalb legt der selbstorganisatorische Hypnotherapeut seine Hypnotherapie nicht nur auf eine
Kooperation mit der Person an, sondern fördert auch beim Klienten eine Kommunikation
zwischen den ICH-Funktionen und dem Unbewussten zugunsten des menschlichen
Gesamtsystems, des SELBST und dessen erfolgreicher Verwirklichung in Therapie und Leben.
In der Privatpraxis für Psychotherapie und Hypnose wird die selbstorganisatorische Hypnose verwendet.
Weitere Informationen über diese Form der Therapie finden Sie unter der Rubrik “Psychotherapie -
Hypnotherapie und Selbstorganisatorische Hypnose”.
Kontakt: Privatpraxis für Psychotherapie und Hypnose, Kirchstr. 2, 68647 Biblis. Tel.: 06245 2009 519 (Anrufbeantworter). Mail: info@reis-beratung.de
Privatpraxis für Psychotherapie und Hypnose
Jochen Reis, M. A. (Soziale Verhaltenswissenschaften)
Heilpraktiker (Psychotherapie)